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In Memoriam Prof. Herbert Grubinger †

Univ. Prof.i.R. Dipl.-Ing. DDr. Herbert Grubinger 1922 – 2018
Ein Nachruf

Das Leben von Prof. Herbert Grubinger ging am 16. Juni 2018 zu Ende. Diese Nachricht kam trotz seines schon 96. Lebensjahres völlig unvermittelt und überraschend. Wer ihn kannte und in den letzten Monaten Kontakt hatte, musste den Eindruck gewinnen, dass ihm noch viele Jahre gegönnt sein werden. Interessiert, kritisch, diskussionsfreudig, humorvoll, quirlig und voller Pläne war er bis zuletzt. Um auch heuer auf seinem geliebten Sommersitz in Köstenberg in Kärnten möglichst unabhängig zu sein, war es für ihn selbstverständlich sich noch ein kleines Auto zu kaufen. Es sollte anders kommen …

Herbert Grubinger wurde am 11. September 1922 in Wien – Hernals geboren, wo er auch aufwuchs, die Schulen besuchte und die Matura machte. 1941 begann er sein Studium der Kulturtechnik an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien. Dieses wurde aber durch den Zweiten Weltkrieg und seinen viereinhalbjährigen Militärdienst an der Russischen Front unterbrochen. Diesen überlebte er nach seinen eigenen Aussagen wahrscheinlich nur, weil er schwer verletzt durch eine Granate von der Front abgezogen wurde. Metallsplitter in seinem Körper erinnerten ihn später das ganze Leben lang an den Kriegsdienst. 1945 setzte er sein Studium fort und schloss dieses 1947 als Diplomingenieur ab.

Nach einem Aufenthalt in Salzburg als Mitarbeiter eines Ingenieurbüros sowie als Projektant und Bauleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung bekleidete Herbert Grubinger ab 1950 die Stelle eines Assistenten und wissenschaftlichen Mitarbeiters am Institut für Landwirtschaftliches Ingenieurwesen an der BOKU bei Prof. Julius Kar. Hier begann er die großen Grundwasservorkommen im Marchfeld (rd. 900 km2, östlich von Wien), deren Umfang und Bedeutung zu dieser Zeit noch im Dunklen lag, systematisch zu erforschen. Legendär sind dazu seine Erzählungen, wie er mit dem Fahrrad quer durch das Marchfeld fuhr, Wasserstände aufzeichnete und Wasserproben sammelte, die er abends, noch rechtzeitig ins Labor der BOKU radelnd, zur Analyse bringen musste. Seine hydrologischen Forschungen hat der zeitlebens neugierige Herbert Grubinger durch das Zweitstudium der Geologie an der Universität Wien vertieft. Den Abschlüssen an der BOKU als Dr.rer.nat.techn. und an der Universität Wien als Dr.phil. folgte noch eine Habilitation an der BOKU für „Landwirtschaftlichen Wasserbau und Siedlungswasserbau unter besonderer Berücksichtigung der Ingenieurgeologie“.

Nach einem kurzen Intermezzo als technischer Amtssachverständiger der Obersten Wasserrechtsbehörde im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Wien, bewarb sich Herbert Grubinger um die Stelle eines Professors für Kulturtechnik (Wasserbau) an der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) in Zürich und wurde nach seiner Wahl 1961 Institutsleiter. Damit wurde Zürich für ihn und seine Familie das neue Lebenszentrum. Bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1988 bildete er viele Generationen von Wasserbautechnikern in Theorie und Praxis aus. Besondere Anliegen waren Prof. Grubinger nachhaltige Bodenmelioration, naturnaher Wasserbau und die Vorsorge gegen extreme Naturereignisse. In unzähligen Exkursionen, Studienreisen und Diplomkursen hat er seinen Studenten das interdisziplinäre Denken beigebracht und gelernt, dass das Beobachten der gewachsenen und sich langsam oder extrem schnell veränderten Natur wichtiger ist als das Kalkulieren, Berechnen und Theoretisieren. Markenzeichen von Prof. Grubinger an der ETH war sein weißer Labormantel und seine „Mascherln“ (Fliegen), die er statt Krawatten trug. Stolz war er darauf, dass bei seinen Prüfungen kein einziger Student durchgefallen ist, „man kann ja auch bei Prüfungen noch was lernen“. Seine Expertise war nicht nur in der Schweiz und Österreich sondern auch in anderen Teilen der Welt gefragt. Dies führte ihn u.a. auch nach Indien, Indonesien, Tansania, Äthiopien und Argentinien.

Herbert Grubinger war auch während seiner Zeit in der Schweiz immer mit Österreich verbunden und hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Ein besonderer Schwerpunkt war von Anfang an das Marchfeld. Er war Leiter des Marchfeldkanalprojektes und nach der Eröffnung und Erstflutung des Marchfeldkanales Leiter des „Interdisziplinären Forschungsschwerpunkt am Marchfeldkanalsystem“ und damit Koordinator vieler Einzelprojekte verschiedener Institute der BOKU, der Technischen Universität Wien und der Universität Wien.

Als Fehlentwicklung schätzte er die Anfang der 1970er Jahre ausgearbeiteten Pläne zur Errichtung eines Donaukraftwerkes in der Wachau, einer der schönsten Tallandschaften Österreichs, ein. Daraus ergab sich ein langjähriges Engagement, das schließlich mit dem Fallenlassen dieser Pläne und in weiterer Folge mit der Aufnahme dieses Donauabschnittes in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes endete. Herbert Grubinger bekam für diesen ehrenamtlichen Einsatz eine hohe Auszeichnung der Republik Österreich, das „Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse“.

Nach verheerenden Hochwässern in den Jahren 1965 und 1966 war auch in Kärnten, dem südlichsten Bundesland Österreichs, die Expertise von Prof. Grubinger dringend gefragt. So wurde er Gründungsmitglied einer für damalige Verhältnisse geradezu revolutionär interdisziplinär besetzten „Forschungsgesellschaft für vorbeugende Hochwasserbekämpfung“, heute Internationale Forschungsgesellschaft INTERPRAEVENT. Herbert Grubinger war in der INTERPRAEVENT Gründungs-, Vorstands- und Ehrenmitglied, er war Mitglied des Wissenschaftlich-Technischen Beirates und hat diesen auch über zwei Perioden hindurch geleitet. Die Internationale Forschungsgesellschaft INTERPRAEVENT hat sich nicht zuletzt durch Aktivitäten von Herbert Grubinger zu dem heutigen renommierten internationalen Netzwerk von Experten zum Umgang mit Naturrisiken entwickelt. Legendär und unheimlich befruchtend waren seine intensiven Diskussionen mit Prof. Aulitzky, dem „Papst“ der Österreichischen Wildbach- und Lawinenverbauung. Herbert Grubinger war immer ein kritischer und moderner Zeitgeist, der Entwicklungen und Trends hinterfragt und auf mögliche Fehlentwicklungen hingewiesen hat. Am 27. April 2018 war Herbert Grubinger anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der INTERPRAEVENT Ehrengast und Festredner, der, wie man es immer von ihm gewohnt war, den anwesenden Ehrengästen, Politikern und Experten überzeugend, nachdrücklich und voller Begeisterung und modernster Interdisziplinarität einen ganzen Rucksack mit Hausaufgaben mitgegeben hat.

Seine über Jahrzehnte gewonnenen Erfahrungen fasste er mit über 90 Lebensjahren noch in seinem Universalwerk „Basiswissen Kulturbautechnik und Landneuordnung“, das 2015 erschien und 700 Seiten stark ist, zusammen. In seinem Vorwort meint er abschließend „Es geht immer darum, einzusehen, dass der Mensch sich nicht im Mittelpunkt seiner Umwelt, sondern sich als Teil einer wunderbaren Mitwelt verstehen muss“.

Es wäre viel zu wenig, Herbert Grubinger auf seine Fachexpertise zu reduzieren. Er war ein vielseitig gebildeter und interessierter, durch und durch humanistisch geprägter Mensch. Sein universelles Wissen, seine liberale Haltung und seine Freude am Diskurs machten ihn zu einem beliebten Gesprächspartner für Alt und Jung in allen Bildungs- und Sozialschichten. Ein besonderes Kennzeichen war neben seiner positiven Lebenseinstellung sein Humor, der ihm, wie er selbst oft betonte, auch schwere Zeiten erträglich machte. Und er konnte auch herzlich über sich selbst lachen. Er scheute aber auch nicht davor zurück, Entwicklungen, die ihn störten, kritisch zu hinterfragen. Zahlreiche Leserbriefe, aber auch viele direkte Kontaktaufnahmen mit zuständigen Politikern zeugen davon.

Viele, sehr viele, die ihn, unseren Prof. Grubinger, unseren Herbert kannten, werden es wohl auch so empfinden, er wird uns fehlen, als Lehrer, als Ideengeber, als kritischer Geist, als Vorbild, als humorvoller Gesprächspartner, vor allem auch als väterlicher Freund. Er hat uns allen sehr viel gegeben, vielen herzlichen Dank dafür.

Fritz Zollinger, Wolfgang Neudorfer, Kurt Rohner 

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